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Interview mit Bente Hansen

geführt von Christine Plaß

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   Interview

Über

Bente Hansen

geb. 1971
Sozialwissenschaftlerin;
Online-Redakteurin & Projektleiterin Juwi|MacMillian Group

Interview

Worum geht es in Deinem derzeitigen Job?
Ich arbeite als Redakteurin in einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Gesundheitsmarkt. Meinen Alltag dort zu beschreiben, ist gar nicht einfach, denn meine Aufgaben sind sehr abwechslungsreich: Übersetzungen aus dem amerikanischen von Schulungsmaterialen für Pharmareferenten, Redaktion von Zeitschriften, Projektleitung bei der Erstellung von Broschüren. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Bereich Internet: Als Projektleiterin betreue ich den Ausbau verschiedener Websites und redigiere bzw. erstelle Texte, die in den Webauftritten erscheinen: ich pflege den Kontakt zu Kunden, konzipiere Websites oder delegiere Aufgaben an Kollegen, die die Website bearbeiten.

Kannst Du ein konkretes Beispiel geben, wie so etwas abläuft?
Zum Beispiel betreute ich den Internetauftritts eines Bremer Krankenhauses. Zunächst habe ich den Navigationsplan der Website entwickelt und mit dem Geschäftsführer der Klinik abgestimmt. Damit wussten wir schon einmal, aus wie vielen Seiten der Internetauftritt zukünftig bestehen wird, wie dieser strukturiert sein wird und wie die Linknamen heißen sollen. Dann habe ich unsere IT-Abteilung beauftragt, den Navigationsplan in HTML umzusetzen. Jetzt bestehen schon einmal die Webseiten. Die Grafikabteilung habe ich gebeten, eine Grafik zu gestalten, mit der die Site illustriert werden soll. Jetzt fehlen noch die Texte. Wenn wir die aus dem Krankenhaus bekommen, werde ich sie selbst einbauen und gegebenenfalls redigieren. Damit ist dieser Auftrag dann abgeschlossen.

Hast Du nach dem Studium gleich im Bereich der Neue Medien gearbeitet?
Nein, mein Weg zu den Neuen Medien verlief über Umwege. Während einer Fortbildung zur Fachzeitschriftenredakteurin habe ich über eine Woche an einem Kurs zum Thema Onlinejournalismus teil-genommen. Dabei habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit dem Internet Spaß bringt und auch liegt. Allerdings konnte ich mir zu dieser Zeit noch nicht vorstellen, in dem Bereich zu arbeiten.
Obwohl ich die Möglichkeiten, die das Internet bietet, spannend fand, schreckte mich der Gedanke, den ganzen Tag vorm Computer zu sitzen. Ich wollte lieber als Redakteurin draußen unterwegs sein.
Später habe ich dann gemerkt, dass mein Berufsleben sich sowieso an Mac oder PC abspielt und das Abklappern von Terminen als freie Redakteurin schnell langweilig wird. Ich habe dann in einer Online-Agentur gearbeitet und dort neben journalistischen Tätigkeiten auch das Gestalten von Websites übernommen.

Ist der Arbeitsmarkt der Neuen Medien für Soziologen und Soziologinnen besonders attraktiv?
Attraktiv war er sicherlich einmal, weil es ein Bereich war, in dem Quereinsteiger willkommen waren. Mit dem Einbruch auf dem neuen Markt sind auch die Jobchancen gesunken. Und trotzdem: Viele Soziologinnen und Soziologen entwickeln während ihres Studiums keine konkrete berufliche Perspektive. Die neuen Medien werden nach wie vor ein Bereich bleiben, in dem flexible, intelligente Menschen gesucht werden, die in der Lage sind, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und bereit sind, sich selbstständig fortzubilden. Diese Voraussetzungen bringen viele SoziologInnen mit.

Gibt es aus Deiner Sicht besondere Fähigkeiten, die Sozialwissenschaftler für die Arbeit mit den Netzwerkmedien mitbringen?
Sofern sie nicht den Schwerpunkt auf Medien oder Kommunikation gelegt haben, sind sie nicht speziell qualifiziert. Allerdings hilft die Fähigkeit, Strukturen zu erkennen und Probleme von verschiedenen Seiten betrachten zu können. Für die Projektarbeit sind Soziologinnen insofern gut qualifiziert, als sie es gelernt haben, die Beteiligung von verschiedenen Gruppen an Prozessen zu analysieren.

Lassen sich die Netzwerkmedien sozialwissenschaftlich verstehen? Wenn ja: Welches sind Kategorien, Theorien oder Fragestellungen an die hier angeschlossen werden könnte?
Netzwerkmedien sind unter verschiedenen Gesichtspunkten ein spannendes Forschungsfeld für SoziologInnen: Wie verändern diese neuen Medien den Berufsalltag von Menschen? Wie nutzen die Menschen die neuen Möglichkeiten der Kommunikation? Wie verändert sich die Gesellschaft durch die neuen Kommunikationsformen? Allerdings verraten meine unkonkreten Fragen schon, dass ich schon länger nicht mehr als Soziologin arbeite.

Was bedeutet das Internet für Dich als Kommunikationsplattform? Nutzt Du Newsgroups oder Mailinglisten für Deine Arbeit?
Für mich ist das Internet immer wieder eine Fundstelle und ich kommuniziere viel über E-Mails, sei es mit Kollegen im Haus, außer Haus, mit Kunden, mit Menschen, von denen ich mir Informationen erbete, mit Auftragnehmern. In Newsgroups treibe ich mich nicht herum. Ich denke, das ist eher unter Informatikern verbreitet, bei denen das eine sehr etablierte Form der Kommunikation ist. Ich habe schon mitbekommen, dass solche Newsgroups eine wichtige Informationsquelle sind und dass sie darüber den richtigen Hinweis für die Lösung eines kniffeligen Problems bekommen haben. Eigentlich gar nicht schlecht. Ich sollte mich auch mal auf die Suche nach einer Newsgroup machen.

Betrachtest du Dich als Netzwerkerin?
Für mich bedeutet Netzwerkerin so etwas wie eine neuartige Berufsidentität, in denen es keine klar definierbaren Berufe, Ausbildungswege, Karieren oder ähnliches gibt, alles im Schwimmen ist, die Qualifikation immer im Fluss ist und jeder sich jederzeit neu orientieren kann und muss.




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