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Internetsucht

Die Angst der Nutzer vor dem Netz

Susanne Walter

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Abstract

Nicht nur die Nutzer des Netzes sind verunsichert: Surfen im Internet soll süchtig machen! Massen- und vor allem Netzwerkmedien berichten von einer wachsenden Zahl von Menschen, die dem Internet regelrecht verfallen seien. Hohe Telefonkosten würden in Kauf genommen; Kinder, Ehepartner, Freunde und sogar die Arbeit würden zugunsten des Internets vernachlässigt; Verschuldung, Vereinsamung und Arbeitslosigkeit seien die entsprechenden Folgen.
Die sogenannte Internetsucht wird in diesem Beitrag als soziales Problem mit einem recht typischen Karriereverlauf analysiert. Durch die Berichterstattung in den Massen- und Netzwerkmedien wird ein Prozess der kollektiven Selbstzuschreibung als Internetopfer ausgelöst: Etliche Netznutzer meinen selbst von dieser Krankheit betroffen zu sein, nachdem sie im Internet darüber gelesen haben.
Die Besonderheit im untersuchten Fall liegt darin, dass die netzwerktypischen Kommunikationsstrukturen es den selbstdeklarierten Opfern ermöglichen, den öffentlichen Diskurs über das neue soziale Problem in hohem Maße mitzubestimmen. In diversen Newsgroups und Mailinglisten ist das Thema Internetsucht plötzlich sehr präsent. Die Opfer tauschen sich dort über ihre Probleme mit der Internetsucht aus, bitten um Hilfe oder warnen vor der Gefahr süchtig nach dem Internet zu werden. Zur Verbreitung der Warnmeldungen wird also paradoxerweise das Medium genutzt, vor dessen Gebrauch gerade gewarnt wird.



Abstract - englisch

Not only internet-users are worried: allegedly, surfing the net can be addictive. In this article, so-called internet-addiction is analysed as a social problem with a rather typical career: coverage by the mass- and network-media causes a process of collective self-depiction as an 'internet-victim'. However, the peculiarity of this particular case lies in the fact that the communicative structures of the network media allow the self-confessed victims to strongly influence public discourse about this new social problem. Thus, paradoxically, the very medium of which we are being warned is being used to spread these warnings.



Links

Plaß, Christine und Michael Schetsche (2000):
Vom Zuschauer zum Betroffenen
http//:www.telepolis.de/deutsch/special/auf/8765/1.html

http//:www.onlinesucht.de



Literatur

Schetsche, Michael (1996):
Die Karriere sozialer Probleme. Soziologische Einführung.
München und Wien: Oldenbourg

Schetsche, Michael (2000):
Wissenssoziologie sozialer Probleme. Grundlegung einer relativistischen Problemtheorie.
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag




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